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WESER KURIER, 11.10.1995


Das Aufmöbeln ist nicht mehr gefragt
Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Restauratoren in Bremen / Gespräch mit Barbara Wiemers
Von unserer Mitarbeiterin Sandra Herrmann


Aus altem Kulturgut neue Produkte zu erstellen, liegt nach ihrem Selbstverständnis nicht im Interesse Restauratoren. Auf der 25. Jahrestagung ihrer Arbeitsgemeinschaft, die derzeit im Ubersee-Museum und in der Kunsthalle in Bremen läuft, trafen 450 Restauratoren, Wissenschaftler und Studenten aus den Bereichen Möbel, Skulpturen, Musikinstrumente, Gemälde und Museumsfotografie zusammen, um über Mittel und Wege zu diskutieren, wie die vorgefundene, aus vergangenen Jahrhunderten stammende Substanz am besten zu erhalten ist. In zahlreichen Vorträgen werden neue Techniken und Probleme im Arbeitsprozeß der Restaurierung vorgestellt. "Es ist nicht die Aufgabe des Restaurators, aus einem abgenutzten Möbelstück, durch Lacke und Furnier ein neues anzufertigen. Im Bereich der Holzobjekte haben wir vielmehr das Anliegen, vorgenommene Veränderungen auf den Originalzustand wieder zurückzuführen", sagte Roger Kossann, Bremer Möbelrestaurator und Mitorganisator der Tagung. Heutige Sehgewohnheiten und Moderichtungen spielten bei der Arbeit keine Rolle, denn man wolle das ursprüngliche Erscheinungsbild des Möbels nicht verändern.

Referenten erläuterten auf der Tagung zum Beispiel Methoden, die es erleichtern, Möbel auf ihr Entstehungsjahr zurückzudatieren. Um die Epoche eines Stückes zu bestimmen, so Kossann, sei eine enge Zusammenarbeit mit der Wissenschaft erforderlich. "Über EDV wird das Erscheinungsbild der Möbel verändert, um den Originalzustand zu simulieren. Mit Kunsthistorikern stimmt der Restaurator ab, ob die Rekonstruktion der kunstgeschichtlichen Stilentwicklung entspricht." Neben Neuerungen im Bereich der Museumsfotografie war auch die Gemälderestaurierung Schwerpunktthema. Die Fachgruppe Gemälde/Skulpturen veranstaltete dazu eine Führung durch Werkstatt und Galerie der Kunsthalle mit der Diplom-Restauratorin Barbara Wiemers. In den Räumen stapeln sich beschädigte Gemälde. Einige Bilder lagern bei mit Riß- und Lagerschäden, andere sind in der Vergangenheit unsachgemäß retuschiert worden. Der neue Farbauftrag ist an manchen Stellen zu dick und stark nachgedunkelt, hebt sich dadurch vom Original ab. Spätere, unfachmännische Veränderungen sind wieder abzutragen. Dann wird die Farboberfläche neu aufgefüllt, Stellen retuschiert und das Bild gefirnißt. "Da ich nur eine Halbtagsstelle habe, ist die Zeit knapp bemessen. Ich widme mich daher primär der Schadensvorbeugung. " Barbara Wiemers arbeitete die Feuchtigkeitswerte , die seit den sechziger Jahren in den Räumen der Kunsthalle gemessen und archiviert werden, auf und erstellte eine Klimakurve. Es zeigte sich, daß erst nach der Installation von Luftbefeuchtern vor zehn Jahren die Werte in einem Toleranzbereich liegen. "Im Winter war das Klima in den Räumen zu trocken, im Sommer zu heiß und manchmal auch feucht. Klimaschwankungen also, die sich negativ auf die empfindlichen Kunstwerke auswirken", so die Restauratorin. Auch auf dem Transport in andere Museen und zu Ausstellungen entstanden Schäden.

Heute verlassen Gemälde die Kunsthalle nur in einer Klimakiste, außerdem sind sie mit einem Rückseitenschutz versehen, der Erschütterungen abfängt. Wiemers: "Bevor diese existentiellen Dinge nicht optimal gelöst sind, mache ich kein Bild hübsch. " Zur Aufgabe der Bremer Restauratorin gehört außerdem die Beseitigung von Klimaschäden an den Kunstwerken, von denen sich die beschädigte Farbschicht ablöst. Farbschollen sind zwar eine normale Alterserscheinung, wenn sie aber von der Leinwand ausbrechen, muß gehandelt werden. Mit Leim klebt Barbara Wiemers die gelösten Schollen an die Leinwand und glättet die Oberfläche. Ab und zu retuschiert die Restauratorin Stellen eines Bildes mit Aquarellfarben. " Früher wurden Ölfarben für die Retusche benutzt. Jetzt verwenden wir Aquarelle, weil sich die Farben wieder vom Bild lösen lassen, der Vorgang also reversibel wird. " Der Vorteil dieser Farben liege darin, daß nach Jahren, in denen sich das Material verändert, eine erneute Retusche leichter durchzuführen sei. So versteht sich die Restauratorin heute mehr als Konservatorin, weil es darauf ankomme, den Originalzustand so wenig wie möglich zu verändern.